Boston und "Chinese New Year"

Posted on February 13, 2008

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Boston: Viel Gutes haben wir schon im Vorhinein von den anderen Interns gehört. Auch mein Trainer hatte mir ein sehr positives Bild von Boston vermittelt.
Leider hat es den ganzen Freitag, unserem Anreisetag, heftig geregnet, was das Vorwärtskommen nicht immer leicht gemacht hat. Abends haben wir noch eine kurze Runde in Boston gedreht und eine sehr nette, klein wirkende Stadt kennen gelernt. Irgendwann ist uns dann aufgefallen, das Boston City Center vor allem so beschaulich wirkt, weil die Skyskraper ab dem 6. Stock im Nebel verschwunden waren.
Der Samstag war (sehr) kalt, windig, aber schön sonnig. Wir haben natürlich mit dem Freedomtrail begonnen, welcher praktischerweise eine rote Linie durch die ganze Stadt ist, die an allen wichigen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Man sieht alte Rathäuser, Kirchen und Friedhöfe. Außerdem lernt man den denkwürdigen Ort des Boston Massacre kennen. Selbstverständlich ist jeder Tote einer zuviel, es war jedoch überraschend zu erfahren, dass bei besagtem Massaker insgesamt 5 Menschen ums Leben gekommen sind.
Da berühmte Anfass-“Science Museum” haben wir uns mit leider viel zu wenig Zeit auch noch schnell angeschaut. Wenn man in der Schule aufgepasst hat, ist man nicht in jedem Raum total aus den Latschen gekippt, aber es gab doch ein paar sehr interessante Themen.
Abends haben wir noch ein italienisches Restaurant besucht. Die gibt es erfreulicherweise zu Hauf im Bostoner North End, da viele der Einwanderer aus Italien in die Stadt kamen. Ich muss leider sagen, dass wir mit gemischten Gefühlen da wieder rausgegangen sind, da unsere Hühnchengerichte mit einem völlig unpassenden Teller Pasta mit Tomatensauce kamen und die Portionen Tortellini so klein waren, dass man an satt werden nicht so richtig denken konnte. Die Atmosphäre hat mir jedoch sehr gut gefallen. Kleines Familienrestaurant mit wenig Platz.
Unser Sonntag sollte nun der höheren Bildung und dem Super Bowl gewidmet sein. Wir haben nach Princeton zwei weitere Vertreter der Ivy League, der Gruppe der höchsten Bildungseinrichtungen der USA, besuchen können. Interessanterweise liegen sowohl die Havard University als auch das berühmte Massachusetts Institute of Technology (MIT) in dem Boston vorgelagerten kleinen Ort Cambridge. Havard war eine Enttäuschung. Für die älteste Universität in den vereinigten Staaten sahen die Gebäude ziemlich nach Industriestil aus. Schön war es nicht, leer war es und irgendwie verstreut. Das MIT hatte schon ein etwas schöneres Hauptgebäude zu bieten und ein definitiv interessantes MIT Museum. Die richtig angenehme, einladende Atmosphäre haben wir dennoch vermisst.
Am Sonntag Abend sollte es nun soweit sein und das größte Ereignis im US-amerikanischen Kalender sollte endlich stattfinden. Der Superbowl. Nach Deutschland ist ja mindestens der Zwischenfall mit Janet Jackson im Jahr 2004 gedrungen. Straßen würden leer gefegt sein, kein Mensch weit und breit und jeder Amerikaner würde selbstverständlich mit seinem Lieblingsteam fiebern. Nun sollten dieses Jahr die New England Patriots (Boston) gegen die New York Giants spielen. Man kann sich vorstellen, dass für uns die Entscheidung (wir leben ja quasi in New York :), befanden uns aber in Boston) wen wir unterstützen sollten, nicht die leichteste gewesen ist.
Da wir ca 5 Stunden für unseren Rückweg schätzten, kamen wir auf die Idee auch noch die Yale University zu besuchen, um da den Superbowl zu schaun und einen etwas kürzeren Heimweg zu haben. Wir erreichten die Universität in der Abenddämmerung und waren sofort ziemlich begeistert. Die Gebäude sahen sehr schön aus. Es wirkte einladend, es waren Studenten unterwegs, es war einfach angenehm. Wir haben nach der Yale Law School gefragt und wollten einen kurzen Blick reinwerfen. Nun muss man seinen Ausweis zeigen um da reinzukommen. Der Wachmann wollte natürlich wissen wer wir sind. Auf die Antwort hin wir seien Touristen aus dem fernen Deutschland und wollten mal einen kurzen Blick in das Gebäude werfen, fing der freundliche Herr an uns eine kleine Privattour durch das schicke Gebäude zu geben. Die schloss die edlen Studierzimmer (mit großen Ledersofas) und der sehr schoene Bibliothek mit ein, in der die Hillary nach langen Blickwechseln den Bill dann irgendwann angesprochen haben soll (beide haben jetzt den gleichen Nachnamen: Clinton). Außerdem durften wir uns in einen Hörsaal setzen, und er hat uns (wiederholt) erklärt wie dieser eine Typ hieß, der neulich erst 5 Mio Dollar für Yale gespendet hat. Von ihm hing ein Gemälde in einem der Hörsäle. Außerdem hatte der freundliche Herr noch einen anderen Schwank auf Lager. Er hatte mal eine Zeit lang für einen Deutschen gearbeitet. Das wäre auch alles wunderbar gewesen. Der Deutsche hatte allerdings noch einen anderen Angestellten, einen Juden. Und wie das funktionieren könne, habe er sich nicht erklären können. Nun ja, wir haben es ihm, obwohl versucht(!), auch nicht erklären können. Oder er es nicht verstehen. Na gut, freundlich war er.
Es war nun dunkel und Zeit für den Superbowl. Wir haben einige der vorbeilaufenden Studenten nach einer guten Lokalität für das Vergnügen gefragt. Irgendwie leicht verwundert haben sie uns Auskunft gegeben. Das hat uns noch nicht stutzig gemacht. Als wird dann vor dem Fenster des ersten Restaurant standen, wollten wir unseren Augen nicht trauen, und taten es auch erstmal nicht. Der Fernseher lief, zeigte das Spiel und niemand – in Worten: NIEMAND – schaute hin! Alles für einen bösen Traum haltend, wollten wir es im Stadtzentrum probieren. Drei vorbeilaufende Yale Footballspieler (das Spiel lief schon), konnten uns leider auch überhaupt nicht weiterhelfen. Nachdem uns das Navi dann ungefähr zu unserem ursprünglichen Parkplatz zurückgebracht hatte, wir waren also schon im Zentrum, stiegen wir aus um die nahegelegenen Pubs zu begutachten. So langsam wurde uns klar, dass wir noch nicht alles über den Superbowl wussten: in Yale (New Haven) interessiert den nämlich keine Sau. Wir haben uns dann in die Kneipe mit der größten Leinwand gesetzt und versucht von den 10 Zuschauern etwas Stimmung zu erfühlen. Relativ erfolglos. Als dann in der Halbzeitpause Tom Petty mit den Heartbreakers für Unterhaltung sorgte, verließen wir (teilweise auch davon) enttäuscht das Lokal und traten die Heimreise an. Mit der Enttäuschung das größte Sportereignis des Jahres, so knapp verpasst zu haben, denn in New York oder Boston wäre es sehr emotional gewesen, mussten wir diesen Ausflug beenden.
Zum zweiten Teil der Überschrift: glücklicherweise gibt es für Menschen die sich Feiertage nicht vermerken noch Google. Die freundliche Seite teilte mir letzte Woche mit, dass chinesisches Neujahr ist. Die damit verbundenen Umzüge wollte ich schon eine Weile einmal in echt sehen, und neben China ist Chinatown in New York vermutlich der zweitbeste Ort dafür. Leider lag das Fest mitten in der Woche weshalb wir uns zu einem Besuch in Chinatown Philadelphia entschlossen. Was wir kleiner, aber immerhin orginal sein würde, wie wir hofften. Nun konnt man im Internet lesen, dass die Parade am 07.02.2008 um 12.00am stattfinden sollte. Erste Schwierigkeit, was heißt denn nun 12.00 am. Nun gut, kann man rausfinden, das ist Mitternacht, 12:00 pm is entsprechend Mittag. Hoch motiviert, bereit uns die Nacht von Feuerwerkskörpern um die Ohren haun zu lassen, fuhren wir nach Chinatown Philly. Es war einfach einen Parkplatz zu bekommen. Leider waren die Straßen um halb zwölf noch sehr leer. Das wurde auch 5 vor zwölf nicht besser. Leicht beunruhigt fragten wir den Besitzer einer am Wege gelegenen Brathuhnverkaufseinrichtung, der uns aufgeregt erzählte, dass die chinesischen Mitbürger am Abend vorher bei ihrer Parade die halbe Stadt in die Luft gesprengt hätten. Nun ja, also die Frage zu welchem Tag das 12.00am gehört, hatten wir uns nicht gestellt. Hätten wir mal …
Heute haben wir uns dann nach New York aufgemacht um den Drachenumzug anzuschauen, der um 12 Uhr mittags veranstaltet wurde. Diesmal hat auch alles geklappt. Leider im Prinzip kein Feuerwerk. Die Wagen waren größtenteils etwas befremdlich. Sowohl ein NaMenhaftes sChnelless-Restaurant hatte Da einen Wagen, als auch eine Krankenversicherung, eine Autoversicherung und ein Mobilfunkanbieter. Der einzige Wagen mit etwas Bezug war der eines chinesischen Restaurants. Dazwischen liefen verschiedene Drachentanzschulen, und das war dann auch der interessante Teil des Umzugs. Begleitet von reichlich lautem Schlagwerk haben sie gemacht, was Drachen eben bei Umzügen dieser Art tun. Zwischen all diesen Teilnehmern liefen immer wieder mehr oder weniger seltsam anmutende Vereinigungen, die der Freundschaft der chinesischen Arbeiter und denen in den USA gewidmet waren, oder Projekte für Rentner in NYC unterstützten. Alles in allem hat sich dieser Besuch endlich gelohnt, wobei ich beim nächsten Mal doch versuchen würde zur richtigen Mitternacht vor Ort zu sein.
Allen Lesern ein gesundes neues Jahr der Ratte.
Bilder gibts auch.

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