Wochenende: kanadisch.

Posted on November 28, 2007

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Am letzten langen Wochenende konnten wir uns eine etwas größere Entfernung vornehmen. Langes Wochenende gab es aufgrund des großen amerikanischen Feiertages Thanksgiving. Das Fest entspricht ungefähr unserem Erntedankfest und wird am 4. Donnerstag im November gefeiert. Für diesen Festtag (der einer der wichtigsten in den USA ist), nehmen viele Menschen lange Strecken in kauf, um gemeinsam mit der Familie den traditionellen, gefüllten Truthahn verspeisen zu können. Auf den Straßen und an den Flughäfen herrscht Ausnahmezustand. Dieses Jahr sollte trotz erhöhter Benzinpreise alles noch viel schlimmer kommen, kam es dann aber doch nicht. Den Tag nach Thanksgiving haben wohl so lange viele Menschen frei genommen, bis er endlich ein richtiger Feiertag geworden ist. Freitag ist der sogenannte “Black Friday” und als Shoppingtag etabliert. Für die Unternehmen ist es ein erster Stimmungsindikator für die Weihnachtssaison. Uns wurde im Vorhinein “America at its worst” prophezeit. Da wir in Kanada waren, können wir uns nur auf den Eindruck eines Kollegen verlassen: die Malls waren wirklich gerammelt voll, Schlangen vor allen Geschäften. An diesem Tag gibt es inzwischen traditionell, sehr große Rabatte (Flachbildfernseher bis zu 70%), allerdings immer nur auf eine sehr begrenzte Anzahl an Produkten. ShoppingWahnsinn in Perfektion!
Außerdem wird mit Thanksgiving die offizielle Vorweihnachtszeit eingeläutet, was für die meisten Amerikaner heißt, dass die Thanksgivingdekoration im (Vor-)Garten, die den Halloweendekowahnsinn abgelöst hat, endlich gegen die Weihnachtsdeko eingetauscht werden kann. Ein Lichterspektakel. Ich werde sicher noch Fotos davon machen.
Als Ziel für dieses Wochenende haben wir uns Toronto in Kanda ausgesucht. Praktischerweise kann man da auf dem Weg die Niagarafälle “mitnehmen”. 450 Milen, 8 Stunden Fahrtzeit laut google maps. Es waren dann ca 10 Stunden, obwohl wir ziemlich gut durchgekommen sind. Wir hatten uns sicherheitshalber den Donnerstag direkt als Reisetag ausgesucht. Hostel war günstig, und ordentlich, wirklich nah in der Innenstadt allerdings direkt neben einen TableDanceLokal. So sahen die dunklen Gestalten auch aus, die nachts davor rumgelungert haben.
Unser erster richtiger Stadttag war Freitag. Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und richtig kalt. Genau mein Wetter. Wir sind ein wenig in der Stadt umhergelaufen und haben mit dem Besuch des CN-Towers begonnen. Der Turm ist das zweithöchste freistehende Gebäude auf der Welt. Wir sind bis zum SkyPod (sprich: SKiPod :))hinaufgefahren. Auf 447 Metern die höchste Aussichtsplatform der Welt. Die Aussicht war auch einfach atemberaubend.
Auf dem ersten Aussichtsdeck ist ein Teil des Fußbodens aus Glas. Das heißt man schaut durch den Boden etwa 342 Meter nach unten. Da ich ein wenig Höhenangst habe, war das natürlich eine super Therapie-Übung für mich. Hat ca 90 Sekunden gedauert, bis ich mit beiden Füßen auf dem Glas gestanden habe. Kurz nach mir kam ein Kind auf das Glas gelaufen: “Yeah, Glasfußboden!!” und ist auf den Scheiben rumgesprungen. Das glaubste nich … :).
Der Rest des Tages war mit dem Erkunden von interessanten Stadtteilen wie Little India und Greektown gefüllt. Lustigerweise haben die da in Toronto ein paar Sachen vertauscht. Wir haben in India drei italienische Cafebars, in Little Italy (nächster Tag) nur chinesische Restaurants, und in Chinatown eine große griechische Nahrungsmittelaufnahmestelle gesehen :). Darüberhinaus mussten wir ob der Kälte oftmals bei Subway oder Starbucks eine Aufwärmpause einlegen, was aufgrund der Dichte dieser beiden Ketten überhaupt nicht schwierig war. Ich würde sogar behaupten, es gab noch mehr von beiden als McDonald’se in Zhengzhou, China.
Der zweite Tag war leider ohne richtigen Sonneschein, aber dafür nicht ganz so kalt. Wir haben Chinatown und das Universitätsviertel besucht. Abends haben wir zufällig die offizielle Eröffnung der Vorweihnachtszeit erleben dürfen. Die wird in Toronto mit der Eröffnung des Festivals Cavalcade of Lights gefeiert. Da gabs ein paar Livemusikacts und ein sehr schönes Feuerwerk .. und viele Menschen.
Am Sonntag hieß es schon wieder: den Heimweg antreten. Allerdings mit einem spannenden Zwischenstop bei den Niagarafällen.
Es war kein Probelm die Fälle zu finden und wenn man einige Meter zu Fuß in kauf nimmt (sehr unamerikanisch), dann kann man sogar einen kostenlosen Parkplatz bekommen. Die Niagarafälle sind ein sehr beeindruckendes Schauspiel. Es gibt sozusagen zwei Teile, wobei der amerikansiche etwas kleiner als der kanadische ist. Soweit wir das sehen konnten, ist es sinnvoll, sich das Ganze von der kanadischen Seite aus anzuschauen, weil man da beide Teile wunderbar im Blick hat. Interessant ist, dass die Fälle jährlich um ca 1,8 Meter durch Erosion zurückwandern. Außerdem fließen pro Sekunde (je nach Jahreszeit) zwischen 2.832 und 5.720 Kubikmeter Wasser da durch. Das ist ca das doppelte des Rheins. Dabei muss man sagen das ein großer Teil des Wassers zur Stromerzeugung umgeleitet wird. Zwei besondere Ereignisse sind unbedingt in dem Zusammenhang zu nennen:

  • Am 29. März 1848 verstummten die Fälle plötzlich. Viele Anwohner traten völlig beunruhigt aus ihren Häusern. Man konnte so schnell keine Erklärung finden und viel sahen darin ein schlimmes Vorzeichen. Das Problem war ein Sturm, der auf dem Eriesee Eisschollen in die Mündung getrieben hatte, die den Abfluß für ca 30 Stunden vollständig verstopften.
  • 1936 frohren die Niagarafälle aufgrund einer Kältewelle vollständig zu einer Eiswand.

Beinahe hätten wir einen interessanten Teil der NiagaraGeschichte nicht gesehen. Auf unserem Rückweg zum Auto entdeckten wir jedoch eine vermutlich zu 100% künstlich angelegte Vergnügungsstadt ca 300 Meter von den Fällen entfernt. Vermutlich sind die Niagarafälle, zu denen man keinen Eintritt verlangen kann, keine ausreichende Einnahmequelle, deshalb der (furchtbare) Aufriß.
Unsere Rückfahrt war auch wieder sehr entspannt. Die erwarteten Feiertagsrückkehrerstaus blieben fast vollständig aus.
Aus der Reihe “Die Amerikaner sind uns in allem voraus, außer in der Zeit”: In Kanada ist uns aufgefallen, dass es doch nicht nur an uns liegt, dass wir Schwierigkeiten haben Beschilderungen in den USA zu folgen. Die sind einfach schlecht gemacht. In Kanada eher so wie wir es gewöhnt sind. Außerdem haben die auch das metrische System. Das war alles sehr entspannend.
Bilder gibt es an der gewohnten Stelle nämlich hier.
Außerdem möchte ich gern darauf hinweisen, dass unter “http://www.iselia.de/” Daniela von ihrem Aufenthalt hier berichtet. Da wir viel gemeinsam unternehmen, ist dies eine gute Stelle um euren Eindruck zu vervollständigen. Außerdem ist sie nicht so knausrig mit den Bildern :).

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